Urige Kleinkunst vor der Haustür

Urige Kleinkunst vor der Haustür

Von „Blick vom Fernsehturm“ 16. November 2011 – 02:46 Uhr

Sillenbuch Hermann Bassé lässt Kleinkunstbühne neuaufleben. Von Julia Barnerßoi

Postpolitisches Kollateralkabarett, lakonischer Humor, komödiantischer Theaterabend: Das Programm der neu ins Leben gerufenen Kleinkunstbühne Silberwald in Sillenbuch klingt alles andere als trocken. Am Donnerstag feiert die Neuauflage der ehemaligen Kleinkunstbühne Silberblick Premiere im Clara-Zetkin-Heim. Wir sprachen vorab mit dem Stuttgarter Schauspieler und Liedermacher Hermann Bassé, der den Silberwald ehrenamtlich organisiert.

Herr Bassé, wann und wie ist die Idee zu dem Kleinkunstprojekt entstanden?

Bassé: Das war 2008. Damals starteten wir in der gleichnamigen Gaststätte die Kleinkunstbühne Silberblick. Die Pächter des Stübchens fragten mich eines Tages, ob ich nicht Lust und eine Idee hätte, mit ihnen etwas Künstlerisches zu veranstalten. Der Deal war einfach: Die Gastronomen profitierten von den Auftritten, wir mussten keine Miete zahlen und die Gäste nur wenig Eintritt, der dann reichte, um professionelle Künstler zu engagieren. Zunächst hatten wir nur Künstler aus Stuttgart. Der Einzugsbereich wurde aber immer größer.

Warum war nach zwei Spielzeiten dann aber Schluss?

Bassé: Ich habe die Organisation immer ehrenamtlich und damit neben meinem Vollzeitengagement als Schauspieler übernommen. Irgendwann ging das zeitlich nicht mehr. Als wir nach einer Pause dann wieder voll einsteigen wollten, musste leider die Gaststätte schließen. Nach einem Jahr Suche habe ich nun schließlich das Clara-Zetkin-Heim gefunden.

Haben Sie auch in der Innenstadt nach einem Spielort gesucht?

Bassé: Nein. Wir wollten ganz bewusst hier oben bleiben. Hier gibt es noch kein Überangebot an kulturellen Angeboten und die Leute genießen es, eine Veranstaltung vor der Haustüre zu haben, wo sie zu Fuß hingehen können und nicht immer in die Stadt fahren müssen. Das wollen wir erhalten.

Was wird das Besondere an der Kleinkunstbühne sein?

Bassé: Das Besondere ist die Urigkeit. Wir haben nur 40 bis 50 Plätze – es soll ja Kleinkunst bleiben. Das schafft eine sehr gemütliche Atmosphäre. Wir versuchen das Programm professionell zu gestalten, aber es darf ruhig auch mal eine Experimentierbühne sein und den Charme von Anfänglichkeit haben.

In welche Richtung wird das Programm gehen?

Bassé: Wir wollen uns hauptsächlich auf Ein-Mann-Theaterstücke oder Kabarettprogramme konzentrieren. Doch es soll zwischendurch auch Musik- oder Chansonsabende geben, bei denen natürlich auch mal zwei Personen auf der Bühne stehen werden. Auch ein Kurzfilmfestival haben wir geplant. Die Musikabende, die ich auch selbst mit meinem Kompagnon gestalte, laufen als Benefizveranstaltung. Mit dem eingenommenen Geld kann ich die weitere Organisation und Werbung ermöglichen.

Wie viele Vorstellungen wird es geben?

Bassé: Zunächst haben wir eine Testphase von drei Abenden geplant, um zu sehen, wie es anläuft und ob alle Beteiligten zufrieden sind. Wenn diese gut laufen, wollen wir aber gerne gleich bis Ostern verlängern. Dann wird es jedoch nur noch einen Kleinkunstdonnerstag pro Monat geben.